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Ein starkes Stück Ökumene

Ökumenischer Kirchenchor Wiesbaden-Klarenthal feiert 30. Geburtstag

30 Jahre Ökumenischer Kirchenchor Klarenthal

Ökumenischer KirchenchorDass wir uns zu so einem starken Stück gelebter Ökumene zwischen den beiden Kirchengemeinden in Klarenthal, der katholischen Kirchortgemeinde St. Klara und der evangelischen Kirchengemeinde Klarenthal entwickeln würden, hatten wir uns vor 30 Jahren nicht vorstellen können, erzählt schmunzelnd die Chorleiterin Barbara Rath.

Vor 30 Jahren waren wir erst ein kleines Häufchen von Leuten, alle so zwischen 30 und 40 Jahren alt, das sich um die ausgebildete Sopranistin Barbara Rath scharte, um gemeinsam als Chor zu singen, berichtet Iris Herz, die damals mit dabei war und auch heute noch eine Stütze des Soprans ist.  Ökumene war für uns damals kein ideologisches Programm, sondern eine pragmatische Notwendigkeit. Allein konnte keine der beiden Klarenthaler Kirchengemeinden einen eigenen Chor zusammenbringen, in der ökumenischen Zusammenarbeit schon. Heute sind wir der einzige ökumenische Chor weit und breit und das lebende Bindeglied zwischen katholischer und evangelischer Kirchengemeine in Klarenthal.  Wir kennen uns in der Liturgie der jeweils anderen Konfession gleichermaßen gut aus, Mitglieder der Gremien beider Gemeinden singen im Chor mit. So entsteht schon auf diesem Wege ein vertrauensvolles Verhältnis.

Anfangs haben wir uns nur an einfache vierstimmige Chorsätze gewagt und in beiden Kirchen Gottesdienste gestaltet. Doch dann wurde der Chor größer und wir steigerten uns in unserer Leistung. Unser Traum war, so Werner Feix, schon seit über 25 Jahren dabei, zum 10 jährigen Bestehen das Weihnachtsoratorium von Bach aufzuführen. Am Anfang war der Traum noch etwas vage, doch dann haben wir uns angestrengt und es tatsächlich geschafft – zum Weihnachtskonzert 1994 erklang Bachs „Jauchzet frohlocket“ in St. Klara.

In der Zwischenzeit hat der Chor das Bachsche Weihnachtsoratorium noch einmal aufgeführt, den Messias von Händel bereits zwei Mal, zwei Mozartmessen, verschiedene Passionen und Weihnachtsoratorien anderer Komponisten. Zwischendrin waren einige Jahre, da fehlte der Tenor, aber an Aufgeben dachte niemand. Die Chorliteratur wurde nach dreistimmigen Stücken durchforstet – es gibt eine Menge davon – bis sich wieder genug Sänger in der hohen Stimmlage fanden.

Da gab es in den 30 Jahren  auch einige berichtenswerte Begebenheiten, so der Konfirmationsgottesdienst, in dem der Chor mit Gospels aufwartete, anscheinend so gut vorgetragen, dass die zahlreichen Gottesdienstbesucher mitten im Gottesdienst heftig applaudierten, oder der Karfreitagsgottesdient, in dem der Chor die Glashütter Passion aufführte und an der ergreifenden Stelle von Jesu Tod der evangelischen Pastorin eine kleine Träne über die Wange lief, so Dr. Wolfgang Rollig, der seit 27 Jahren mitsingt.

Nicht nur die Kirchenmusik wird von uns gepflegt, meldet sich Liesel Burghard zu Wort. Sie begleitet den Chor auf dem Klavier oder auf der Orgel. Auch weltliche Chorstücke stehen auf dem Programm. So hat der Chor schon im Rahmen von „ Wiesbaden singt“ im Kurpark gesungen oder bei zahlreichen Sommerkonzerten im Rahmen der Klarenthaler Kulturtage, im letzten Jahr die Zigeunerlieder von Brahms.

Wir singen jedoch nicht nur, wir sind eine echte Gemeinschaft, die auch außerhalb der Musik zusammenhält und etwas unternimmt: Wandern am ersten Mai, Zwiebelkuchenessen im Herbst und ein großes Buffet nach dem Weihnachtskonzert, wirft Brigitte Halbe aus dem Sopran ein, auch schon seit Anfang an dabei. In St. Klara ist eine sehr trockene Akustik, so leisten wir es uns, von Zeit zu Zeit in einer alten Kirche mit schöner Akustik zu singen, so z. B. in Rüdesheim oder Geisenheim. Dann klingt der Chor gleich viel voller. Und auch karnevalistisch sind einige von uns tätig, so Christa Rollig, die mit an den Texten und Arrangements für „die Kirchenmäuse“ , einer Untergruppe des Chores, schreibt, die mit gesungener und gesprochener  Politsatire die Fastnachtssitzungen und Kreppel-Kaffees für Senioren in Klarenthal und benachbarten Stadtteilen bereichern, denn singen können wir ja.

Seit der Zusammenlegung der katholischen Kirchengemeinden im Westen vonWiesbaden zu einer Großgemeinde haben die Chormitglieder auch einen eingetragenen Förderverein für die Kirchenmusik in Klarenthal gegründet, der sich um die Einwerbung von Spenden für den Chor kümmert.

Für unser Jubiläumskonzert am 2. Advent um 17:00 Uhr in St. Klara haben wir uns etwas Besonderes ausgesucht, so Barbara Rath, nämlich ein Werk des Komponisten Heinrich von Herzogenberg, der seinen letzten Lebensabschnitt in Wiesbaden verbracht hat und hier im Jahr 1900 verstorben ist. Sein Grab findet sich auf dem Nordfriedhof.  Es ist sein selten aufgeführtes Oratorium „Die Geburt Christi“. Von Herzogenberg war Professor für Kompositionslehre, und das hat er in seinem Werk dokumentiert. Die 30 Sängerinnen und Sänger – davon 15 Männerstimmen – haben intensiv für diese Aufführung geprobt und versprechen einen Konzertgenuss mit wunderschönen Melodien so richtig passend zur Weihnachtszeit. Neben dem Chor singen vier Solisten. Das Consortium Martiacum übernimmt die orchestrale Begleitung.

Gern nehmen wir noch neue Sängerinnen und Sänger auf. Wir proben immerdonnerstags um 20:00 Uhr im Gemeindezentrum St. Klara, Graf-von-Galen-Straße 3. Der Einstieg wäre im Januar günstig, denn dann beginnen wir mit den Proben für die Passions- und Osterzeit, so Frau Rath.

Text: Wolfgang Rollig

Foto: Detlef Gottwald